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Bei den geschlechtsangleichenden Operationen (GAOP) von Transfrauen (Mann-zu-Frau-Transsexuellen/-Transidenten) werden die inneren und äußeren männlichen Geschlechtsorgane entfernt, und es werden weibliche Geschlechtsorgane rekonstruiert. Ziel ist, ein optimales optisches und funktionelles Ergebnis zu erreichen. Die Transformationsoperation Mann-zu-Frau erfolgt in den meisten Kliniken in mindestens zwei Operationsschritten. Es ist allerdings auch möglich, diese Schritte in einem einzigen Eingriff vornehmen zu lassen.

Die einzelnen Schritte der GAOP Mann-zu-Frau umfassen:

  • die Entfernung der Hoden (Orchiektomie, Orchidektomie)
  • die Entfernung der großen Schwellkörper (Corpora cavernosa)
  • die Konstruktion einer Scheide (Neovagina)
  • die Konstruktion eines gefühlssensiblen Kitzlers (Neoklitoris)
  • die Verkürzung der Harnröhre
  • die Konstruktion von Schamlippen (Labienplastik) aus dem Hodensack
  • den Aufbau des Schamhügels (Mons pubis)
  • ggf. einen Brustaufbau
  • ggf. eine Schildknorpel-Verkleinerung
  • ggf. weitere plastische Operationen zur Feminisierung (Verweiblichung)

Ablauf der GAOP bei Mann-zu-Frau-Transsexualität/-Transidentität:

In der Regel beginnt die Mann-zu-Frau-GAOP mit einem Schnitt am Hodensack. Die dabei entfernte Haut wird für die spätere Formung der Schamlippen, sowie für eine eventuell notwendige Verlängerung der Scheide genutzt. Der Operateur entfernt die beiden Hoden, Nebenhoden sowie Samenstränge, und löst die Haut des Penis vom Penisschaft ab. Die Eichel (Glans penis) sowie das zugehörige Gefäß-Nerven-Bündel werden vorsichtig von den Schwellkörpern abgelöst, aber vollständig erhalten, um daraus später den Kitzler (Neoklitoris) zu formen. Die beiden großen Schwellkörper (Corpora cavernosa) werden vollständig entfernt, nachdem sie zuvor von der Harnröhre abgelöst wurden. Der kleine Schwellkörper (Corpus spongiosum), der die Harnröhre umgibt, wird nur teilweise entfernt, damit die Harnröhre ausreichend durchblutet bleibt.

Der komplizierteste Schritt der GAOP ist die Bildung des Raums für die Scheide zwischen dem Enddarm und der Harnröhre. Hierzu wird im vorderen Bereich der Raum mit der Schere (scharf) präpariert und im hinteren Bereich mit dem Finger (stumpf) aufgedehnt, um Harnröhre und Darm möglichst nicht zu verletzen. Innen wird dieser neu gebildete Raum mit der Haut des Penisschafts ausgekleidet. Hierzu wird die Penisschaft-Haut umgestülpt – man bezeichnet dies als Invaginationsmethode. Um eine genügend tiefe und weite Scheide zu bilden, ist meist eine zusätzliche Transplantation der Haut vom Hodensack nötig. Anschließend wird ein weicher Platzhalter von etwa 13 Zentimetern Länge in die neue Scheide (Neovagina) eingeführt, um sie offen zu halten.

Nun werden Durchtrittsöffnungen für den Kitzler und die Harnröhre geschaffen. Um den Kitzler (Neoklitoris) zu formen, entfernt der Operateur die obere Haut von der Eichel und präpariert sie so, dass nur das obere Drittel oder Viertel der Eichel sichtbar aus der Haut schaut. Da keine Nerven entfernt werden, bleibt eine größtmögliche Gefühlssensibilität in der Neoklitoris gewährleistet. Die Harnröhre wird gekürzt und unterhalb des Kitzlers angenäht. Aus der verbliebenen Haut des Hodensacks werden schließlich die großen Schamlippen (Labien) gebildet.

In der Regel erfolgen die nächsten OP-Schritte in einem zweiten Eingriff, der mindestens sechs Wochen nach der ersten OP stattfinden sollte. Es gibt aber auch Kliniken, die einen einzeitigen Eingriff – eine sogenannte All-in-One-OP – anbieten. Im folgenden Schritt der GAOP wird der Schamhügel (Mons pubis) aufgebaut. Dazu schneidet der Operateur oberhalb der Klitoris (über dem Schambein) ein dreieck- oder spindelförmiges Hautstück aus, zieht das seitliche Fettgewebe mittig zusammen und passt die Hautränder an, um so die vordere Vereinigung der großen Schamlippen zu bilden. Der obere Anteil der Klitoris wird auf diese Weise überdeckt, und der Schamhügel wird sichtbar. Zuletzt wird der hintere Scheidensteg im Dammbereich vertieft.

Da durch die gegengeschlechtliche Hormonbehandlung Mann-zu-Frau sich das Brustdrüsengewebe meist nicht ausreichend vergrößert, kann als weiterer Schritt der GAOP ein Brustaufbau erfolgen. Hierbei werden in der Regel Silikon-Implantate unterschiedlicher Größen eingesetzt. Einige Ärzte bzw. Kliniken bieten die Brustvergrößerung im Rahmen der o.g. GAOP an, oder es muss ein separater Eingriff stattfinden.

Weitere mögliche geschlechtsangleichende Operationen zur Feminisierung (Verweiblichung) von Transfrauen sind z.B. die Verkleinerung des Schildknorpels am Kehlkopf („Adamsapfel“) sowie diverse plastische gesichtschirurgische Eingriffe, die in der Regel allerdings nicht von den Krankenkassen bezahlt werden.

Je nach Operateur kommen bei der geschlechtsangleichenden Operation von Transfrauen unterschiedliche Techniken zum Einsatz. Es ist ratsam, sich in einem Vorgespräch in der Klinik die Methode und den Operationsablauf anschaulich erklären zu lassen.

 

Weitere Informationen

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