Wie bei allen Operationen, kann es bei der GAOP Frau-zu-Mann zu allgemeinen OP-Komplikationen wie Blutungen und Nachblutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen und der Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen, Embolien) kommen. Da die geschlechtsangleichende Operation Frau-zu-Mann, insbesondere der Penoidaufbau (Phalloplastik), einer der kompliziertesten und komplikationsreichsten Eingriffe überhaupt ist, können zudem spezielle Komplikationen auftreten.

 

Spezielle Komplikationen beim Penoidaufbau sind:

  • Stenosen (Engstellen): Hierzu kann es vor allem im Laufe der ersten drei bis sechs Monate nach der Operation kommen, wenn sich die ringförmige Naht am Übergang zwischen der „alten“ und „neuen“ Harnröhre zusammenzieht. Die Folgen sind, dass der Urin nicht mehr so gut aus der Blase durch die Harnröhre fließen kann und sich vor der Engstelle staut. Das Wasserlassen ist erschwert und dauert deutlich länger, und der Harnstrahl wird schwächer. Wird die Stenose frühzeitig erkannt, lässt sich die Engstelle meist durch Bougieren (Aufdehnen) mit speziellen Dehnungsstiften („Bougies“) vom Urologen beheben. Bringt dies keinen Erfolg, ist ein kleiner operativer Eingriff nötig.
  • Fisteln („Löcher“ in der Harnröhre): Fisteln sind rohrförmige Verbindungen zwischen der Harnröhre und der Haut, die ebenfalls als typische und häufige Komplikationen beim Penoidaufbau auftreten können. Die Fistel ist Zeichen einer schlechten bzw. verzögerten Wundheilung. Durch die Fistel tritt Urin nach außen. Fisteln schließen sich meist nach zwei bis drei Monaten von alleine. Ist dies nicht der Fall, ist ein kleiner operativer Eingriff (in der Regel in örtlicher Betäubung) nötig.

Bei einem erfahrenen Operateur und dem Standardverfahren des Penoidaufbaus aus dem Vorderarm, sind schwerwiegende Komplikationen, wie der komplette Penoidverlust (Lappenverlust), heutzutage sehr selten. Es sollte aber bei der Entscheidung für oder wider den Penoidaufbau und bei der Auswahl des Arztes und seiner Methode mitberücksichtigt werden, dass im schlimmsten Fall das Penoid wieder entfernt werden muss, weil es zum Beispiel nicht ausreichend durchblutet wurde. Dann geht in den ersten Stunden bis Tagen nach der OP das Gewebe zugrunde und wird schwarz (Nekrose). Etwas häufiger als ein kompletter Lappenverlust sind Wundheilungsstörungen im Bereich der Hauttransplantate, bei denen kleine Hautbereiche absterben können.

Wie häufig diese Komplikationen auftreten, hängt zum einen von der Erfahrung und dem Können des Arztes bzw. der Ärzte ab, und zum anderen von gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten (z.B. gestörte Wundheilung bei Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen etc.) sowie weiteren Faktoren. In der Literatur finden sich Angaben zur Häufigkeit von Stenosen und Fisteln, beginnend von unter 5 % über 30 % und 60 % bis hin zu noch höheren Komplikationsraten. Es empfiehlt sich daher dringend, sich über die Komplikationsraten der in Frage kommenden Operateure und Kliniken zu informieren, sowie das eigene Risiko für Komplikationen mit den behandelnden Ärzten abzuwägen.

Weitere Komplikationen, die beim Penoidaufbau auftreten können, sind Probleme mit den Implantaten (Penisprothese, Hodenprothesen) wie Verrutschen, Gewebeschäden durch Druck, Wundheilungsstörungen und Infektionen, eine Kapselfibrose (Bildung von narbigem Bindegewebe um das Implantat), ein Fremdkörpergefühl oder dauerhafte Schmerzen.

Nach einer geschlechtsangleichenden Operation können die sexuelle Erregbarkeit und die Orgasmusfähigkeit abgeschwächt sein. Eine wichtige Struktur für die erotische Sensibilität ist die Klitoris (Kitzler), welche bei der Phalloplastik-Operation erhalten bleiben sollte. Von OP-Methoden, bei denen die Klitoris entfernt wird, ist abzuraten, da infolgedessen von einem kompletten Verlust der erotischen Sensibilität auszugehen ist. Beim Standardverfahren (Phalloplastik mit freiem Vorderamlappen) wird die Klitoris nur von ihrer Oberhaut befreit (deepithelisiert), an die Basis des Penoids verlagert und nur mit Haut bedeckt. Somit bleiben die anatomischen Voraussetzungen für die sexuelle Erregbarkeit und die Orgasmusfähigkeit erhalten.

 

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